Gemeinde Zwingenberg

Seitenbereiche

Seiteninhalt

Aktuelles aus Zwingenberg

Kreiserntedankfest in Zwingenberg

365 Tage im Jahr arbeiteten, damit es uns allen gut geht
Prächtig ausgestaltete Festhalle beim Kreiserntedankfest in Zwingenberg
Von Bernd Kühnle
 
Schon beim ersten Blick in die Peter-Kirchesch-Halle in Zwingenberg drängte sich beim Besucher der Eindruck auf, dass hier beim Ausschmücken Menschen beschäftigt gewesen waren, denen es darauf ankam, die Früchte ihrer Ernte mit viel Liebe und geschickter Hand dekorativ zur Schau zu stellen. So fiel es  Albert Gramling, dem Vorsitzenden des Bauernverbands Neckar-Odenwald-Kreis, nach einem Musikstück der Neckargeracher Musikanten FWK leicht, den Anlass der Veranstaltung, nämlich das Kreiserntedankfest mit einer umfassenden Begrüßung aller Gäste und Ehrengäste einzuleiten. Anschließend fand er auch kritische Worte zu einigen Berichten über Probleme, die er nicht im Bereich der Landwirtschaft angesiedelt sehen wollte. In diesem Zusammenhang sprach er von "Fakenews", die zum Thema "Bienensterben" im Umlauf seien, ging auf den Umgang mit Glyphosat ein, dessen Nutzen sehr weitreichend sei, während sein Schaden bislang noch nicht bewiesen werden konnte. Auch am Insektensterben trüge die Landwirtschaft nur eine sehr kleine Schuld, da hier sowohl die Bodenversiegelung, als auch die Lichtverschmutzung wesentlich mehr Schäden verursachten, was er sehr plakativ mit den erschöpft zu Boden gefallenen Faltern an Straßenlaternen beschrieb. Auch die Diskussion um die in Deutschland angestrebte Praxis von Ferkelkastration führe nur dazu, dass Jungschweine aus Ländern eingeführt würden, die weit unter unseren Naturstandards arbeiteten. Als Fazit hielt er fest, dass die Landwirtschaft der größte intakte Umweltverband sei, den es zu unterstützen gelte. Landrat Dr. Achim Brötel überbrachte die Grüße des Neckar-Odenwald-Kreises auch im  Namen der Fachdienste und Verbände und unterhielt die Besucher in seiner bekannt lockeren Art, wodurch die Ernsthaftigkeit seines Anliegens allerdings keinerlei Abbruch erlitt. Ihm war es wichtig, zu betonen, dass das Erntedankfest nicht zu einem sinnentleerten Ritual verkomme, sondern eine bewusste Erinnerung an die Schöpfung Gottes darstelle, durch die sich der Mensch erinnert fühle, dass er nur Haushälter der Schöpfung sei. Auch wertete er das Erntedankfest als einen Tag, an dem einmal nicht das ständige Nörgeln und Meckern, sondern die Freude über eine gelungene Ernte im Mittelpunkt der Gedanken stehe. Dies gelte auch für hier und heute, wo es trotz mancher Witterungsprobleme immer noch möglich sei, relativ gelassen "unser täglich Brot" zu verzehren, während in anderen Weltgegenden alle 2 Stunden mehr als 700 Kinder verhungerten - mehr als die Einwohnerzahl von Zwingenberg. Daneben lobte er, dass die Bundesregierung beschlossen habe, entsprechende Hilfen für klimageschädigte Landwirte bereit zu stellen, ein Zeichen, dass unsere Solidargemeinschaft funktioniere. Mit einem Gedicht unterstrich Brötel die Forderung, den Erntedank mit Gelassenheit und Zufriedenheit zu begleiten, ehe er sich bei den Landfrauen, der Landjugend und den Landsenioren für die Gestaltung der Veranstaltung bedankte. Bürgermeister Norman Link führte den Gedankengang fort, dass wir dankbar sein müssten, denn der Gedanke zurück an Zeiten, als schlechte Ernten Katastrophen auslösten, sei immer noch präsent. Es spiele eine wichtige Rolle, dass mit dem Einkauf der Weg wieder "Zurück zur Nähe" führe, was sich in regionalen Märkten manifestiere könne, wie sie gerade wieder im Kommen seien. Mit einem Exkurs durch die vielen Errungenschaften seiner Gemeinde, wie den Schlossfestspielen und den Errungenschaften im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung sei es für ihn wichtig, die Nähe zu den Menschen zu wahren und das Bewusstsein für die Natur zu erhalten. Nach einem weiteren Musikstück ging MdB und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Hans-Joachim Fuchtel in seinem Grußwort darauf ein, dass das diesjährige Erntedankfest im "Jahr der Dürre" ein besonderes Ereignis sei, da es trotz der Unbilden der Natur gelungen war, wieder eine Ernte einzufahren. Hierfür zollte er den Landwirten Dank, obwohl die Situation drohe, dass ca. 10.000 Betriebe in ihrer Existenz bedroht seine. Gleichzeitig lobte er die Bauern, die mit hohem Arbeitseinsatz und Zeitaufwand dafür stünden, "dass wir alle jeden Tag gut und ausgewogen ernährt sind". Daher müsse eine bäuerliche, familiengeführte Landwirtschaft erhalten bleiben, deren Produkte zu einem fairen, realistischen Preis gehandelt würden. Dies beinhalte auch den Abbau unnötiger bürokratischer Hemmnisse, speziell von Seite der EU, bei deren Abbau er sich mit all seinen Kräften einsetzen wolle. In einem Exkurs auf die weltweite Vernetzung der deutschen Landwirtschaft hielt er fest, dass deutsche landwirtschaftliche Produkte zu über 30 % exportiert würden, was eine hohe Zahl von Arbeitsplätzen sichere. Auch forderte er, achtsam mit den "Mitteln zum Leben - den Lebensmitteln" umzugehen und ein "neues Landwirtschaftsbewusstsein zu wecken". Nachdem er sich für eine kluge Digitalisierung bei den Bauern eingesetzt hatte, ging er auf das Tierwohl ein, wobei er klare Kennzeichnungen einforderte, wobei er mithülfe, die notwendigen politischen Rahmenbedingungen zu erstellen. MdB Alois Gerig dankte Fuchtel für seine Ausführungen und seine Unterstützung im Bundestag, ehe dazu aufrief, "den Blick zum Himmel zu richten und den Bäuerinnen und Bauern zu danken, die 365 Tage im Jahr arbeiten, damit es uns allen gut geht". Nach der Forderung, die Regionalität zu erhalten und zu fördern, dankte er den Landwirten für den Erhalt der Kulturlandschaft und versprach, auch in Zukunft darauf hinzuwirken, die Wald- und Landwirtschaft zu unterstützen und seine parlamentarische Arbeit auf das Wohl der Bauern zu richten. Nach einem weiteren Musikstück interpretierten die Kreisvorsitzende der Landfrauen Renate Streng und die Geschäftsführerin Isabella Therweckl den Gedanken des Erntedanks mit einem Gedicht, bei dem die Frage "Was ist Leben?" aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wurde. Daraus entwickelte sich die Erkenntnis, dass jede Art von Leben, je nach der Perspektive des Betrachters, eine einzigartige Geschichte birgt. An diese tiefgründigen Gedanken schloss sich die Überreichung der Erntegaben an die Leiterin des Kindergartens Zwingenberg, Beate Starlinger, an bevor das gemeinsam gesungene Badnerlied die interessant gestaltete offizielle Kreis-Erntedankfeier 2018 abschloss und die Besucher zu den kulinarischen Genüssen, dargeboten von der Landjugend Mosbach, übergehen konnten.
 

Im Rahmen des Kreiserntedankfestes in der Peter-Kirchesch-Halle in Zwingenberg erhielt die Leiterin des Kindergartens Beate Starlinger bis zum Rand gefüllte Obst- und Gemüsekörbe.
Im Rahmen des Kreiserntedankfestes in der Peter-Kirchesch-Halle in Zwingenberg erhielt die Leiterin des Kindergartens Beate Starlinger bis zum Rand gefüllte Obst- und Gemüsekörbe.
Als Festredner zum Kreiserntedankfest in der Peter-Kirchesch-Halle in Zwingenberg entwickelte MdB und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Hans-Joachim Fuchtel seine Gedanken zur Rolle der Landwirtschaft in der Gesellschaft.
Als Festredner zum Kreiserntedankfest in der Peter-Kirchesch-Halle in Zwingenberg entwickelte MdB und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Hans-Joachim Fuchtel seine Gedanken zur Rolle der Landwirtschaft in der Gesellschaft.

Weitere Informationen